Onkologische Rehabilitation

Mit körperlicher und seelischer Stabilität zurück ins Leben

Dr. med Stephan Eberhard, Facharzt für Innere Medizin und Chefarzt Rehazentrum Walenstadtberg erklärt, was hinter einer onkologischen Rehabilitation steckt und wie Patienten davon profitieren können.

Was ist unter dem relativ jungen Fachgebiet der onkologischen Rehabilitation zu verstehen?

Wie der Name impliziert, handelt es sich um eine spezielle Form der Rehabilitation, die sich an Menschen richtet, die eine Krebserkrankung, solide Tumoren oder eine hämatologische Erkrankung erlitten haben, behandelt worden sind, und Mühe haben, das Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen. Ziel ist es, den Patienten wieder in ein normales Leben, in dessen Normalität zurückzuführen. Onkologische Reha ist ein wichtiges Glied in der gesamten Kette der Unterstützung für Krebspatienten.

Welchen Stellenwert hat die onkologische Rehabilitation heutzutage?

Leider noch nicht jene, die sie verdient. Körperliche, seelische, aber mitunter auch soziale Einschränkungen sind nach Krebserkrankung und deren Behandlung keine Seltenheit. Dennoch wird der Bedeutung der onkologischen Rehabilitation noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Nach einem Sportunfall hingegen ist der Entscheid für eine Reha bei den meisten Patienten eine Selbstverständlichkeit.

Für welche Krebspatienten ist das Angebot relevant? Spricht auch etwas gegen die Aufnahme einer Reha?

Es sollten alle Krebspatienten auf den Bedarf von onkologischer Rehabilitation evaluiert werden. Heisst: Der behandelnde Arzt sollte stets die Frage stellen: «Wie gut kommen Sie im Alltag zurecht?» Selbstständige Patienten, die lediglich noch etwas Physiotherapie benötigen, brauchen natürlich kein Reha-Programm. Und bei Patienten, die es nicht mehr schaffen, mehr als 50 Prozent wach und aktiv am Leben teilzunehmen, muss individuell nach der Fähigkeit, an einer Reha teilzunehmen, geschaut werden.

Aus welchen Therapie-Bausteinen setzt sich die Reha zusammen?

Das therapeutische Angebot ist breit aufgestellt und reicht von psychoonkologischer Betreuung, Sport-, Ergo und Bewegungstherapien bis hin zu Logopädie, Entspannungspraktiken und Ernährungsberatung. Zum Einsatz kommen also keine Methoden, die neu erfunden worden sind, sondern seit Jahrzehnten in der Rehabilitationsmedizin erfolgreich zur Anwendung kommen. Sie wurden lediglich an die Bedürfnisse von Krebspatienten angepasst, ihnen somit zugänglich gemacht.

Was macht aus Ihrer Sicht eine gute onkologische Rehabilitation aus?

Ganz wichtig ist es, den Therapieplan an die Bedürfnisse jedes einzelnen Patienten und den vereinbarten, realistischen Ziele auszurichten. Der Patient muss gefordert, darf aber nicht überfordert werden. Das multiprofessionelle, interdisziplinäre Zusammenspiel ist für den Erfolg der Rehabilitation massgeblich entscheidend. Ärzte, Pflegeteam, Physio- und Ergotherapeuten, Ernährungs- und Sozialberater sowie Psychologen müssen in die Betreuung involviert sein. Auch die Länge der Reha ist relevant. Es gibt Richtwerte, nach denen ein stationärer Aufenthalt von unter vier Wochen nicht zielführend ist. Ambulant sprechen wir von zwölf bis 16 Wochen im Minimum.